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Es war ein grauer Dezembertag. Der alte Ahorn vor dem Fenster hatte seine fein geäderten und zuletzt gelb und rot entflammten Blätter abgeworfen und reckte die kahlen Äste in den wolkenverhangenen Himmel. Er schien sich zum Überwintern in die Erde zurückzuziehen. Duc hatte davon gelesen, dass Bäume unterirdische Netzwerke bildeten und über die Wurzeln miteinander kommunizierten. Sie wollen nicht allein sein, dachte er. Niemand will allein sein.

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Auf dem Altar standen die beiden Messingkraniche mit der Lotosblüte im Schnabel und versprachen Glück und langes Leben. Teresa hatte sich manchmal über diesen Aberglauben lustig gemacht, obwohl sie ihn im Grunde schön fand. Dabei glaubte Duc gar nicht an Übernatürliches, er pflegte nur die Bräuche seiner Familie. Auch wenn er nun schon die längste Zeit in Deutschland lebte, war er immer noch fest in seiner Heimat verwurzelt. Wie alle Vietnamesen zündete er an Festtagen Räucherstäbchen an und brachte den Ahnen Opfer dar.

Am liebsten würde er auch für Teresa einen Altar aufstellen. Doch das hätte sie nicht gewollt. Wenn ihre Zeit mal gekommen sei, hatte sie, die deutlich Ältere, zu ihm gesagt, solle er sich an die gemeinsamen Jahre erinnern. „Du bist das Beste, was mir passieren konnte.“

Duc hatte diesen Satz oft auf Vietnamesisch wiederholt, denn ein Leben ohne Teresa war für ihn nicht vorstellbar gewesen. Noch heute machte ihm seine Mutter heftige Vorwürfe, weil er nicht wie versprochen zu ihr zurückgekehrt, sondern in der Fremde geblieben war. Dabei hatte seine deutsche Frau alles getan, um ihn bei der Versorgung der Familie zu unterstützen. Teresa hatte seine Eltern, Geschwister, Neffen und Nichten als ihre eigenen betrachtet und war, so oft und so lange es ihr Gesundheitszustand erlaubte, mit Duc nach Hanoi geflogen, denn sie wollte seine Heimat kennenlernen. Dabei hatte sie herausgefunden, dass er, der in Nordvietnam aufgewachsen war, im Süden ein Kind hatte, einen Sohn, für den er regelmäßig Geld schickte, ohne ihn jemals zu besuchen. Sie hatte ihn zur Rede gestellt. Warum er sich so rührend um die Kinder seiner Geschwister kümmere und sein eigenes verstoße, wollte sie wissen. Duc hatte geschwiegen, weil er es sich selbst nicht erklären konnte. Damals forderte Teresa: „Du fliegst jetzt zu deinem Kind, und wenn du willst, begleite ich dich.“

Der Besuch wurde zum Desaster. Duc stand dem achtjährigen Hai Sung reglos gegenüber, blickte in dessen erwartungsvolle Augen und brachte kein Wort heraus. Er hätte das Kind nicht gewollt, erklärte er Teresa später, noch nie wollte er eigene Kinder haben. Er sei damals gerade Dozent geworden, wollte ins Ausland gehen und dort promovieren. Die Mutter, eine Studentin, hätte versucht, ihn mit dem Kind an sich zu binden, vermutete er noch heute. Sie wollte, dass sie heirateten, was für ihn nicht in Frage kam, zumal er sie nicht liebte. Vor den anderen hatte sie ihre Schwangerschaft verheimlicht und Hai Sung nach seiner Geburt notgedrungen in der Familie ihrer Schwester untergebracht. Die Tante wurde offiziell zu seiner Mutter erklärt, und das Kind bekam einen Vater, zumindest auf dem Papier. Als Teresa das erfuhr, begann sie den wahren Grund seiner Ablehnung zu ahnen: Duc sah in seinem Sohn das eigene Schicksal gespiegelt. Auch er war, noch zu Kriegszeiten, ohne seinen leiblichen Vater aufgewachsen. Nie hatte er ihn gesehen. Freilich hatte er sich in der liebevollen Fürsorge seines Stiefvaters stets geborgen gefühlt. Insgeheim wünschte er, dass auch Hai Sungs Mutter einen solchen Mann finden sollte. Teresa tat der Junge leid. Sie versuchte alles, doch es gelang ihr nicht, Duc zu bewegen, sich zu seinem Kind zu bekennen. Er schickte weiterhin das Geld für den Unterhalt, doch er besuchte Hai Sung nie wieder.

Das war lange her, war noch vor seiner Hochzeit mit Teresa gewesen. Doch wann immer Duc daran dachte, bedrückte ihn der Gedanke, sie enttäuscht zu haben. Jetzt war es zu spät. Als seine Frau schwer erkrankte, hatte er sie bis zum bitteren Ende gepflegt. „Sorg dafür, dass es nicht nur deiner Familie, sondern auch dir gut geht“, hatte sie, als sie bereits im Sterben lag, zu ihm gesagt. „Und denke immer daran: Wenn eine Tür sich schließt, öffnet sich eine andere.“

Duc hatte keine Ahnung, was Teresa damit gemeint hatte. Vermutlich hatte sie ihn bloß trösten wollen. Das Begräbnis lag jetzt ein Vierteljahr zurück, und die grauen Tage kamen und gingen, sie glichen einander.

Niemand will allein sein, wiederholte Duc in Gedanken, als er wie an jedem Wochentag die Wohnung verließ und sich auf den Weg zu seiner Arbeitsstelle machte. Er schritt unter dem Ahornbaum entlang zur Toreinfahrt. Bis zur S-Bahn fühlte er noch die unsichtbaren Baumwurzeln unter seinen Sohlen.

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Wie immer war er der erste im Büro. Und wie immer warteten im Flur schon Besucher, mit der gezogenen Nummer in der Hand. Viele, manchmal auch zu viele Landsleute kamen, um seinen Beistand zu erbitten oder sich von ihm beraten zu lassen. Bis zum Abend ließ der Andrang nicht nach. Duc arbeitete die Mittagspause durch, und als seine Uhr schon fünf vor sechs zeigte, betrat der letzte, ein junger Vietnamese mit der Nummer 14, sein Büro.

Duc fragte, was er für ihn tun könne, und musste ein Gähnen unterdrücken.

Der Bittsteller setzte sich nicht auf den Besucherstuhl, sondern blieb in etwa zwei Metern Entfernung vor Duc stehen. Er sah ihn eine Weile in stummer Erwartung an, ehe er sagte:

„Onkel, erkennst du mich denn nicht?“

Die Anrede „Onkel“ vernahm Duc täglich viele Male. Im Vietnamesischen gebot die Höflichkeit, dass ein Jüngerer den Älteren so ansprach. Duc, dessen Unterarme schwer auf dem Schreibtisch lagen, sodass er, um sein Gegenüber anzusehen, den Kopf ein wenig heben musste, musterte nun seinerseits den Besucher.

„Nein“, erwiderte er verwundert, „woher sollte ich Sie denn kennen?“

„Aber Onkel, wieso erinnerst du dich nicht an mich? Ich bin dein Hai Sung.“

Duc verschlug es die Sprache. Vor ihm stand ein kräftiger Bursche von knapp dreißig Jahren, der mit seinen großen, staunenden Augen und leicht abstehenden Ohren dem kleinen Hai Sung tatsächlich ähnlich sah. Wie war das möglich, dachte er. Zwischen ihnen lagen mehr als zehntausend Kilometer und beinahe zwanzig Jahre!

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Freilich hatte er den Akzent in der Stimme bemerkt, und eine Täuschung schloss er aus. Niemand konnte sich erdreisten, sich als sein Sohn auszugeben. Er starrte Hai Sung an, der nervös den Nummernzettel knetete, und für einen Moment sah er dessen Mutter vor sich, jene junge, attraktive Studentin, deren Reizen er damals auf seiner Vortragsreise nicht hatte widerstehen können.

Während Hai Sung geduldig auf Antwort wartete, schoss Duc der Gedanke durch den Kopf, dass Teresas letzte Worte diese Begegnung gemeint haben könnten. Wenn eine Tür sich schließt, öffnet sich eine andere…

„Also schön, du bist Hai Sung“, sagte Duc nach quälend langer Pause. Er hatte wieder dasselbe mulmige Gefühl im Bauch wie damals und spürte, wie sich sein Körper zu versteifen begann. „Mich hier zu finden, war sicherlich nicht schwer. Aber wie bist du nach Deutschland gelangt?“

Das sei, erwiderte Hai Sung, eine lange Geschichte. „Willst du, dass ich sie dir erzähle?“

Duc nickte, doch eher mechanisch. Er sah den leeren Stuhl, und in seinem Kopf begannen die Gedanken zu kreisen. Sollte er seinen Sohn nicht bitten, Platz zu nehmen? Und sollte er nicht ins Vorzimmer gehen, um Tee zu kochen? Ein kurzer Blick zum Fenster sagte ihm, dass es bereits dunkel war. Er gab sich einen Ruck. Mit einer entschlossenen Handbewegung schob er seine Unterlagen zusammen, er stemmte sich hoch und kam endlich hinter seinem Schreibtisch hervor.

„Natürlich möchte ich deine Geschichte hören, und zwar von Anfang an. Aber nicht hier. Wenn du einverstanden bist, Hai Sung, fahren wir zu mir nach Hause.“

Duc schloss sein Büro ab. Sie verließen das Gebäude und gingen zusammen zur S-Bahnstation. Die Dunkelheit hatte sich über die Häuser gesenkt, wurde jedoch hier und da aufgehellt. Überall brannten Lichter. Es war die Adventszeit. Hai Sung saß Duc während der Fahrt gegenüber und lächelte still. Duc lächelte zurück. Er hatte Teresas Stimme im Ohr: „Freu dich auf das, was kommt…“ Dankbarkeit durchströmte ihn, doch das mulmige Gefühl blieb. Als die Bahn das nächste Mal hielt, stiegen sie aus, folgten der Hauptstraße, passierten die Toreinfahrt und gingen über den Hof am Ahornbaum vorbei. Im vierten Stock des Mietshauses öffnete Duc seinem Sohn die Tür.

„Tritt ein. Fühl dich wie zu Hause.“

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„Ich habe dich lange gesucht“, begann Hai Sung, als sie im Wohnzimmer saßen. Duc hatte alles, was Kühlschrank und Speisekammer hergaben, aufgetischt. Der Lotostee dampfte in der blauen Kanne, die er vor Jahren aus seiner alten Heimat mitgebracht hatte und nur zu festlichen Anlässen benutzte. Auf dem Familienaltar schwelten die Räucherstäbchen. „Meine Mutter war strikt dagegen. Ich aber musste wissen, wer und wo mein Vater ist. Wenn er nicht zu mir kommt, habe ich zu ihr gesagt, dann gehe ich eben zu ihm.“

Duc nickte stumm und goss mit zitternder Hand ein. Er wandte den Blick ab, weil ihm Tränen in die Augen schossen.

„Ich habe immer auf dich gewartet“, fuhr Hai Sung fort. „Als ich zehn Jahre alt wurde, hast du mir eine bunte Postkarte geschickt, auf dem ein Spielplatz zu sehen war. Ein deutscher Spielplatz, einen solchen gibt es bei uns nicht. Die Postkarte klebte ich über meinem Bett an die Wand. Ich habe mich immer danach gesehnt…“

„Es tut mir leid“, sagte Duc.

Hai Sung nickte.

Die Teeschalen standen noch unberührt auf dem Tisch, und der Sohn zögerte einen Moment, ehe er weitersprach.

„Vater, es geht mir nicht gut. Ich habe große Probleme…“

Duc, der sonst jedermann mit nützlichen Ratschlägen diente, starrte auf die vollen Teeschalen. Schließlich erhob er sich und schloss seinen Sohn in die Arme. Er versank beinahe in der unerwartet heftigen Berührung und spürte, wie sich sein Körper entspannte. Als sein Blick auf die beiden Kraniche mit der Lotosblüte im Schnabel fiel, dachte er: Du bist nicht allein.

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