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Eine Weihnachtsgeschichte aus Dresden.

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Ihr Mann redete ununterbrochen, aber sie hörte nicht mehr, was er sagte. Sie sah, wie sein Mund auf- und zuging. Sie war nicht plötzlich taub geworden. Sie hörte die Musik, es war „Last Christmas“ in einer Instrumentalversion. Sie hörte auch das Gemurmel von den anderen Tischen. Sie hörte die Gläser klirren und das Schaben der Messer auf den Tellern. Es war kein Hörsturz. Es schien vielmehr so, als hätte jemand Thomas’ Stimme aus der Aufnahme dieses Weihnachtsabends gelöscht. Sein Mund öffnete sich und schloss sich. Er sah aus wie ein Truthahn. Er plusterte sich auf.

Es ging sicher um Dresden.

Vielleicht redete er von der Frauenkirche, die er als Ruine beeindruckender gefunden hatte als jetzt. Oder von Pegida, der Bürgerbewegung, die er bis in ihre Kapillaren zu kennen schien. Vom neuen sächsischen Ministerpräsidenten, der ihm zu blass war. Von ihrem Vater, aus dessen Schatten sie seiner Meinung nach immer noch nicht getreten war. Vom Niedergang des Dresdner Fußballs. Von Ludwig Güttler oder Gunter Emmerlich. Vom Turm. Von Erich Kästner. Von Canaletto. Vom sächsischen Wein, den er überbewertet fand. All die Dinge, die er ihr in den letzten anderthalb Tagen auf ihrem weihnachtlichen Dresdenausflug erläutert hatte, einem Ausflug, den sie eigentlich vorgeschlagen hatte, um aus dem Alltag ihrer Ehe auszubrechen, in dem ihr Thomas von früh bis spät erklärte, wie die Welt funktionierte.

Es könnte natürlich auch sein, dass er gerade den Wham!-Song mitsang:

Last Christmas I gave you my heart.

But the very next day, you gave it away …

Aber das war unwahrscheinlich.

Auf Thomas’ Adamsapfel waren ein paar Bartstoppeln stehengeblieben, was den Truthahneindruck noch verstärkte.

Susanne Beil fragte sich, wie lange sie ihren Mann schon nicht mehr hörte. Sie erinnerte sich daran, dass er seinen Wein hatte zurückgehen lassen, weil die Temperatur nicht stimmte. Die Kellnerin hatte an ihrem Tisch gestanden wie eine Soldatin, die von einem Vorgesetzten zusammengestaucht wurde, den Rücken durchgedrückt.

„Für fünf Euro achtzig kann man verlangen, dass der Wein die richtige Temperatur hat“, hatte Thomas gesagt. Das war der letzte Satz, den sie von ihrem Mann gehört hatte. Sie stellte sich vor, dass es der letzte Satz war, den sie jemals von ihm hören würde. Sie war 47 Jahre alt, Thomas 54. Sie könnten noch dreißig Jahre zusammenleben. Dreißig Jahre lang würde dieser Satz in ihren Ohren hallen. Sie hörte das Eis unter sich knacken. Sie kannte das Geräusch, aber das Eis war dünner geworden.

Es war ihr erster Urlaub ohne die Kinder. Als sie das letzte Mal allein verreisten, war sie schwanger geworden. Vor zweiundzwanzig Jahren, in einem Hotelzimmer in Varadero, Kuba. Benjamin war zum Klang einer sozialistischen Klimaanlage gezeugt worden, die knatterte wie ein russischer Traktor. Sie verstummte nur, wenn der Strom ausfiel. Hitze oder Lärm, das waren damals ihre einzigen Alternativen gewesen. Sie hatten sich gelangweilt, gesonnt, sie hatten gebadet, getrunken, gelesen. Damals hatte Susanne noch mehr geredet als Thomas. Damals stand er noch fest in der Welt. Er musste sie sich nicht zurechtreden. Ein Diplomingenieur für Wasserwirtschaft aus Berlin-Karow, der eine Pumpe auseinander- und auch wieder zusammenbauen konnte.

Clara, ihre Tochter, hatte ein Austauschjahr in Idaho, wo es jetzt erst mittags war. Die Gasteltern waren Mormonen, was sie vorher nicht gewusst hatte. Clara hatte aber gesagt, es gebe nur eine Frau im Haushalt. Benjamin arbeitete in einem Hotel in Amsterdam, nachdem er sein Studium für internationale Politik in Maastricht abgebrochen hatte. Es hatte Thomas umgeworfen. Er hatte seine Zukunftshoffnungen auf seinen Sohn konzentriert. Thomas war in der Nacht nach Maastricht gefahren, um seinen Sohn zu bekehren, aber er hatte ihn nicht mehr gefunden. Er war durch die fremde Stadt geirrt und wieder zurückgekehrt.

Er war oft wütend und oft traurig. Sie war nicht immer in der Lage, den Unterschied zu erkennen. Als Clara verschwand, bekam er plötzlich Rückenschmerzen. Starke Rückenschmerzen, wie er sagte. Er wollte, dass sie seinen Schmerz spürte, aber sie konnte das nicht. Er nahm jetzt Tabletten, die ihn betäubten. Die Berliner Wasserbetriebe, wo er seit dreißig Jahren arbeitete und seit zehn Jahren den Abwasserbereich leitete, hatten ihm den Vorruhestand angeboten. Susanne hatte ihm nicht zugeraten, aber auch nicht abgeraten. Sie wusste einfach nicht, was besser war. Sie wusste nur, dass sie ihm nicht in ein Vorruhestandsleben folgen konnte.

Die Kellnerin kam mit dem neuen Wein.

„Probieren Sie doch bitte den?“, sagte sie.

Thomas schwenkte den Kelch in der Hand, nippte am Wein, ließ ihn in seinem Mund rollen, kaute ihn, als sei er Stuart Pigott, der Weingott. Thomas war Biertrinker. Er war mit Rosenthaler Kadarka und Erlauer Stierblut großgeworden wie sie. Er hatte eine kurze Whiskyphase, die etwa fünfzehn Jahre zurücklag – er hatte damals viel von Eichenfässern geredet, europäische Eiche, amerikanische Weißeiche, und von der Bedeutung des Wassers für die Maische. Später war er zu Bier gewechselt und dabei geblieben. Er hatte keine Ahnung von Wein, aber darum ging es auch nicht.

Susanne sah sich in dem Restaurant um. Die meisten waren in ihrem Alter, Leute, die an Heiligabend zu Hause nicht vermisst wurden. Sie könnten eine Therapiegruppe bilden, nach dem Dessert. Zwei einzelne Paare, eine Vierergruppe und ein Tisch, an dem ein Mann und zwei Frauen saßen, die älter waren. Wahrscheinlich war eine der Frauen Witwe. An einem kleinen Tisch am Fenster saß eine einzelne Frau. Susanne dachte, dass die Frau ihr leid tun müsste, weil sie allein war an diesem Abend. Aber das war nicht der Fall. Die Frau hatte kurze blonde Haare und erinnerte Susanne an die Schauspielerin Jean Seberg. Sie sah unabhängig aus. Sie trank Weißwein und schaute hinaus auf den Fluss. Man konnte nur ahnen, was sie dachte. Die anderen hielten die Gespräche aufrecht, sie konnte einfach still sein. Susanne Beil hatte sich immer vor einem Mann gefürchtet, der schweigt. Inzwischen wusste sie, dass es schlimmer kommen konnte.

„Besser“, sagte Thomas schließlich. Seine Stimme war wieder zu hören.

Die Kellnerin nickte, lief zwei Schritte rückwärts, drehte sich dann um und verschwand. Eine höfische Bewegung.

„War es das wert?“, fragte Susanne.

Er lächelte.

„Wenn sie hier nicht noch die letzten Touristen vergraulen wollen, müssen sie die Basics einhalten. Wenigstens die“, sagte er. Er sprach wie einer der Fernsehreporter, die nach Dresden fuhren, um zornige Bürger vor die Kamera zu zerren, die in breitem Sächsisch die Vorurteile im Rest des Landes bestätigten. Es fehlte nur, dass ein Cello spielte. Aber es lief immer noch „Last Christmas“. Thomas war eine Minute still gewesen, höchstens.

Er hatte ihr in den letzten beiden Tagen Dresden erklärt, als stamme er von hier und nicht aus Karow. Er wollte ihr ihre Erinnerungen ausreden.

Ihr Vater war in Dresden geboren worden, als Kind hatte sie viele Ferien im alten Haus ihrer Großeltern verbracht, in Loschwitz. Sie dachte an den feuchten, leicht modrigen Laubgeruch, die schweren Betten, die Altersflecken auf den Händen ihrer Oma, an die filterlosen Zigaretten ihres Opas, die Programmzeitschrift FF dabei, in der alles stand, was man in den Fernseher bekam, an den Schmalzgeruch und die blassen Etiketten auf den Apfelsaftflaschen. Sie dachte an das alte Stollenbrett, das nur zu Weinachten aus dem Schrank geholt wurde, und den weichen Dresdner Dialekt. Ihre Oma wurde nicht laut wie die in Berlin, wenn sie ärgerlich war, ihre Stimme wurde hoch, als beginne sie zu singen. Vor allem dachte Susanne Beil daran, wie sich ihr Vater entspannt hatte, wenn sie das Wohnzimmer seiner Eltern betraten. Er war in Berlin nie so zuhause gewesen wie hier.

„Last Christmas“ trudelte aus. Susanne hatte neulich gelesen, dass George Michael den Song vor zweiunddreißig Jahren geschrieben hatte. Da war sie sechzehn gewesen. Nicht glücklich, aber zuversichtlich. Sie hatte Thomas noch nicht gekannt. Inzwischen war George Michael tot, „Last Christmas“ war Fahrstuhlmusik. Die Musik ihres Lebens. Die Basics! Irgendwann würde Thomas ein Clipboard mit auf ihre Reisen nehmen und ihr mit großen Strichen die Probleme von Integration, Migration und Gastronomie erklären. Sie war sein einziges. sein letztes Publikum.

Die Frau am Fenster schien darüber nachzudenken, noch ein Glas Wein zu bestellen. Das war alles, was sie in der Heiligen Nacht zu entscheiden hatte. Sie musste sich nicht die Welt erklären lassen. Sie erinnerte sie an das Mädchen in Treptow, das sie gewesen war. Leider hatte sie nie so kurze Haare getragen, ihre Frisuren sahen damals immer so aus wie die der Frauen im Wham!-Weihnachtsvideo.

„Was guckst du denn die ganze Zeit da rüber“, sagte Thomas. Er drehte sich um. Er bewegte den ganzen Oberkörper, als stecke er in einem Korsett.

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„Ich wäre gern die Frau dort am Fenster“, sagte sie.

„Aber du kennst die doch gar nicht“, sagte Thomas.

„Ich bin mir nicht sicher“, sagte sie.

„Soll ich rübergehen und sie fragen, ob sie sich zu uns setzen will?“, fragte er.

Er hatte Rotweinlippen, was ihn ein wenig unheimlich aussehen ließ. Wie Lars Eidinger in einer seiner Rollen als mordender Transvestit. Thomas musste zum Friseur.

„Ich glaube, das würde das Problem nicht lösen“, sagte sie.

Aus der Musikanlage des Restaurants lief nun „Do They Know It’s Christmas“, ebenfalls aus den 80ern, ebenfalls in der Instrumentalversion. Die Stimmen von Sting, Bono, Boy George, Simon LeBon, Paul Young waren verschwunden, alles Männer, die sie länger als Thomas kannte.

Sie stand auf.

Thomas ging leicht in die Hocke, kam aber irgendwie nicht unter dem Tischchen weg. Sie sah zu ihm herunter.

„Suse“, sagte er. „Es ist Weihnachten.“

„Eben“, sagte sie.

Sie sah zum Fenster hinüber und ging. Sie glaubte, dass die Frau ihr zugenickt hatte. Als sie in die kalte Weihnachtsnacht trat, fiel ihr ein Film ein, den sie mit Jean Seberg gesehen hatte. Er hieß „Außer Atem“. Sie wusste nicht mehr genau, worum es ging, nur noch, dass Seberg mit einem gut aussehenden Ganoven durchgebrannt war. Belmondo.

Die beiden hatten, daran erinnerte sie sich gut, nicht viel geredet. Sie lief über die Elbe in die Freiheit. Die letzten Schritte rannte sie. Sie hätte sich nicht gewundert, wenn die Brücke hinter ihr zusammengebrochen wäre. Das Blaue Wunder.

„Er verstand Susannes Wunsch, ihrem Schicksal zu entfliehen. Er wusste nicht genau, warum. Man musste auch nicht alles wissen. Im Taxi sah er trotzdem nach, worum es in „Bonjour Tristesse“ ging, dem Film. Er fand einen kurzen schwarzweißen Clip.“ Jean Seberg in „Bonjour Treistesse“.

Getty/QUINIO/Gamma-Rapho

Thomas Beil setzte sich erst mal wieder hin. Er war sich sicher, dass Susanne wiederkam. Sie kam am Ende immer wieder. Man konnte alles bereden. Er sah sich noch mal um. Die Frau schaute aus dem Fenster. Sie hatte kurze blonde Haare und war vielleicht zehn Jahre jünger als Susanne. Oder fünfzehn.

Sie drehte sich plötzlich vom Fenster weg und sah zu ihm hinüber.

Sie lächelte, als wisse sie, was passiert war.

Dann kam das Essen. Susanne hatte Fischsuppe bestellt, er Ente. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten konnten sie an Heiligabend verschiedene Gerichte essen. Susanne hatte das als einen Vorteil dieser Reise gesehen. Sie waren freier. Es war Teil ihrer Neuerfindung. Sie hatte sich in dem halben Jahr verändert, seitdem Clara in Amerika war. Die Leere machte sie nervös. Sie stürzte sich in ihre Arbeit, sie nannte Kolleginnen plötzlich Freundinnen. „Die Kaminski“ war plötzlich: „Die Julia“. Meine Freundinnen, sagte Susanne und betonte das „meine“. Als hätte er irgendein Interesse an den Frauen. Er fühlte sich manchmal etwas einsam, abends, wenn sie mit den „Mädchen“ unterwegs war, wie sie „die Freundinnen“ manchmal nannte. Er spürte, wie er in jüngster Zeit darauf wartete, dass Susanne nach Hause kam. Früher hatte er jede Minute allein genossen.

„Die Suppe?“, sagte die Kellnerin. Es war nicht die, die ihnen den Wein gebracht hatte.

„Die Suppe bekommt meine Frau“, sagte Beil.

Sie stellte den Teller neben das verlassene Glas.

„Danke“, sagte Beil.

Es war, als speise er mit einem imaginären Freund. Ein skurriler Herr. Er wartete noch fünf Minuten, dann schnitt er seine Entenbrust an. Er bemühte sich, nicht auf den verlassenen Platz zu schauen, hatte aber den Eindruck, der Teller mit der Fischsuppe starre ihn an. Er zog ihn ein wenig zu sich hinüber. Die Ente war nicht schlecht, aber die Klöße waren zu trocken für seinen Geschmack und der Rotkohl zu glitschig. Er hätte diesen Eindruck gern geteilt. Er spürte wie die Wörter aus ihm herauswollten. Wenn man redete, lebte man.

„Ja, ja“, sagt er leise. Und dann: „Nicht schlecht. Gar nicht schlecht.“

Er sah sich um. Die Leute beachteten ihn nicht, nur vom Tisch, an dem aus irgendeinem Grund zwei alte Frauen und ein Mann saßen, schaute ihn die alte Frau an. Er nickte ihr zu. Die blonde Frau sah aus dem Fenster. Sie sah ein bisschen aus wie Jean Seberg in „Bonjour Tristesse“, dachte Thomas. Eine amerikanische Schauspielerin, die ein tragisches Ende genommen hatte, wenn er auch vergessen hatte, welches.

Die Kellnerin kam zurück.

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„Alles in Ordnung?“, fragte sie.

Kaum hatte man den ersten Bissen im Mund, poppte ein Kellner aus der Kiste und fragte, ob alles in Ordnung war. Seltsamerweise hatte er nicht das Bedürfnis, sich über die trockenen Klöße zu beschweren, vielleicht weil Susanne nicht da war.

„Sehr gut“, sagt er.

Sie sah auf die Fischsuppe.

„Meine Frau fühlte sich nicht so gut“, sagte er. „Sie musste kurz an die frische Luft.“

„Natürlich“, sagte die Kellnerin und zog sich zurück.

Er fühlte sich allein gelassen. So wie er sich in den Nächten fühlte, wenn der Schmerz kam. Seine Wirbel waren verschlissen. Die Orthopädin hatte gesagt, es sei das Alter. So, als müsse er sich daran gewöhnen. Er hatte gehofft, dass sie in seinem Röntgenbild die Lösung finden würde, aber sie hatte es angeschaut wie eine Kinderzeichnung. Er hatte einen anderen Orthopäden besucht und dann noch einen. Er hatte stundenlang in vollen Wartezimmern und halbnackt auf kalten Kunststoffliegen gewartet, bis jemand im Kittel kam, um ihm in anderthalb Minuten mitzuteilen, dass er ihm auch nicht helfen könne. Orthopäden waren die ahnungslosesten Menschen, die er kannte. Er hatte sich im Ehebett herumgewälzt und leise gestöhnt, aber Susanne neben ihm reagierte nicht, obwohl er wusste, dass sie wach war. Er war in Claras verlassenes Zimmer gezogen – ächzend, gerade so laut, dass es noch tapfer klang – und hatte gehofft, seine Frau würde ihm folgen. Aus Sorge. Aber das war nicht passiert. Der Schmerz machte einsam. Das hatte er in Schmerzforen im Internet gelesen. Schmerz isolierte.

Als er mit der Ente fertig war, aß er auch die Suppe auf. Sie war fast kalt.

„Waren Sie zufrieden?“, fragte die Kellnerin, als sie die leeren Teller abholte.

Beil dachte darüber nach, die Frage zweimal zu beantworten, einmal mit verstellter Stimme. Er hätte mit sich streiten können. Er hätte noch einmal die Weinfrage mit seiner inzwischen unsichtbaren Partnerin diskutieren können. Ein schizophrener Gast im Schillergarten am Heiligabend. Sie würden noch Silvester von ihm reden.

Es ging dir doch gar nicht um den Wein.

Nein, natürlich ging es nicht um den Wein. Es ging darum, dass ich nicht mehr weiß, was du eigentlich von mir erwartest. Denkst du, ich habe keine Angst vor der Leere?

Es ist Freiraum, keine Leere. So sehe ich das jedenfalls. Bei dir ist das Glas immer halb leer. Außerdem solltest du sowieso keinen Wein trinken, zu den Schmerztabletten.

Ihm hatten sie den Vorruhestand angeboten, Susanne die Leitung der Abteilung, in der sie seit zehn Jahren arbeitete. Sie würde das Angebot wohl annehmen, er sicher nicht. Er hatte gehofft, dass sie mehr Zeit miteinander verbringen würden, aber sie schien sich davor zu fürchten. Er wurde immer müder, sie immer munterer. Vielleicht lag es an den Tabletten, die sie ihm gegen die Rückenschmerzen verschrieben hatten. Er freute sich auf die Pillen, wie er sich früher auf Sex gefreut hatte. Neulich, als Susanne mit „den Mädchen“ aus war, ging er ins Kino und sah sich „A Star Is Born“ an. Ein erfolgreicher Sänger entdeckt eine Amateursängerin, verliebt sich in sie, fördert sie, macht sie bekannt und sieht dann zu, wie sie immer berühmter wird, während er fällt. Am Ende erhängt er sich. Beil war niemand, der im Kino weinte, aber diesmal brach er fast zusammen. Das war ein Film über ihn, ihre Beziehung. Er war kein Sänger, er hatte Susanne weder entdeckt noch gefördert und wollte sich auch nicht erhängen, aber das Prinzip war dasselbe. Er kämpfte pausenlos um ihre Aufmerksamkeit, er redete gegen die Stille an, damit das Band zwischen ihnen nicht riss.

„War sehr gut“, sagte er. „Alles.“

„Geht es ihrer Frau besser?“, fragte die Kellnerin.

„Ich hoffe“, sagte er.

Er bestellte ein Bier. Als er getrunken hatte, wusste er, dass Susanne diesmal nicht zurückkommen würde. Im Restaurant saß nur noch das Dreierpaar. Die Frau, die ihn vorhin angesehen hatte, weinte, die andere Frau hielt ihre Hand. Der Mann saß irgendwie dabei.

Es war kurz nach zehn. Die Christmesse, in die sie gewollt hatten, begann in einer Stunde in der Loschwitzer Kirche auf der anderen Seite der Elbe. Es waren zehn Minuten von hier, hatte Susanne gesagt. Er stellte sich an die Bar, wo eines der Ehepaare noch einen Absacker trank. Sie schwiegen. Der Mann griff ab und zu in die Schale mit den Erdnüssen, seine Brille wurde von der weihnachtlichen Lichterkette beleuchtet, die sich durch die Bar wand. Aus den Lautsprechern sang jemand „Bom Bom Bom Bom“, der Barkeeper drehte ein bisschen lauter.

It’ll be lonely this Christmas,

without you to hold.

I’ll be lonely and cold.

„Richtig“, sagte Beil.

„Mud“, sagte der Barmann. Er hatte einen Musketierbart.

Beil bestellte einen Jack Daniel’s. Auf Eis. Vor ein paar Jahren hatte er sich mit Whisky beschäftigt, aber eigentlich interessierte ihn das nicht. Er hatte auch mal mit dem Gedanken gespielt, einen Humidor zu kaufen, obwohl er gar nicht rauchte. Er glaubte, interessanter wirken zu müssen. Das Schmutzigste an ihm war das Abwasser, mit dem er sich beschäftigte, hatte Susanne mal gesagt. Es sollte ein Witz sein, aber sicher war er nicht. Sie hatte ihm einen Hut geschenkt und ein Halstuch. Er hatte beides ausprobiert. Er sah aus wie Fozzie Bear aus der Muppets Show.

Der Sänger von Mud sagte: „Merry Christmas, Darling, Wherever you are.“

Beil nickte.

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Dann kam sein Drink. Dann Jean Seberg.

Sie setzte sich auf den Barhocker neben ihn und bestellte einen Moscow Mule. Sie roch wie Juliane Claus, die bei den Wasserbetrieben die Öffentlichkeitsarbeit machte. Sie hatten auf einer Weihnachtsfeier im letzten Jahr miteinander getanzt. Und weil er nicht wusste, was er sagen sollte, hatte er nach ihrem Parfum gefragt. Er hatte den Namen vergessen, es kam aus Berlin-Kreuzberg. Es wäre ein Gesprächsthema, aber er hatte keine Lust zu reden. Er hatte genug geredet zuletzt.

„Frohe Weihnachten“, sagte sie.

„Frohe Weihnachten“, sagte er.

„Was ist mit Ihrer Frau passiert?“, fragte sie.

„Sie hat gesagt, sie wäre lieber Sie“, sagte Beil.

„Ich?“

Das waren ihre letzten Worte.“

Sie lachte, es war ein raues, heiseres Lachen. Sie trank die Hälfte ihres Drinks aus. Sie nickte dem Barmann zu. Dann trank sie die andere Hälfte aus.

„Sagen Sie ihr bitte, das wäre nichts für sie“, sagte sie.

Beil nickte. Er sah auf die Uhr und zahlte.

„Ich muss noch in die Kirche“, sagte er.

„Halleluhja“, sagte sie.

„Ja“, sagte er.

Er lief auf die andere Seite der Elbe. Die Brücke hieß Blaues Wunder und sah genau so aus. Die Luft war dick und feucht. Die Kirche stand zwischen geputzten Häusern an einem Hang. Sie war nicht voll. Es war zu spät für die Leute, dachte Beil. Er sah gleich, dass Susanne nicht hier war, blieb aber. Er sang die Lieder mit, die er kannte, und wartete noch auf die Predigt. Der Pfarrer redete über Risse in der Gesellschaft, Beil dachte an die Risse in seiner Familie. Im Februar war er durch Maastricht geirrt, um seinen Sohn zu finden, im September hatte er seine Tochter in Tegel nach Amerika verabschiedet, und zu Weihnachten hatte er in Dresden seine Frau verloren. Amen.

Als das Abendmahl begann, lief er den Hang hinunter, um ein Taxi anzuhalten.

Er sah die andere Frau auf der Brücke stehen. Sie lehnte mit dem Rücken am Geländer. Ganz am anderen Ende. Sie schien ihm zuzunicken, aber es war dunkel und spät. Es begann zu schneien. Er sah nach oben, die Flocken segelten auf ihn zu. Er schloss die Augen, und als er sie wieder öffnete, war die Frau verschwunden. Er stand ganz allein auf der Brücke. Blaues Wunder. Er lief auf die andere Seite, sah über die Brüstung in den Fluss. Aber der trieb unbeeindruckt Richtung Altstadt. Er verstand Susannes Wunsch, ihrem Schicksal zu entfliehen. Er wusste nicht genau, warum. Man musste auch nicht alles wissen. Im Taxi sah er trotzdem nach, worum es in „Bonjour Tristesse“ ging, dem Film. Er fand einen kurzen schwarzweißen Clip. Er spielte in einer Bar. Jean Seberg tanzte mit einem Mann. Sie legte ihre Hand auf seine Schulter, aber in ihren Augen sah man, dass sie in Gedanken nicht bei ihrem Partner war. Auf der Bühne stand Juliette Greco und sang „Bonjour Tristesse“.

Die letzten Zeilen gingen so:

Es schmerzt, wenn die Liebe geht

Es sticht, man kann es nicht vergessen

Doch es ist nicht die Liebe gegangen

Es ist kein Schmerz in Sicht

Ich hab mich verloren.

Mehr nicht.

Sie fuhren an der Elbe entlang. Die Wiesen zum Fluss färbten sich weiß, am Hang des anderen Ufers leuchteten kleine Schlösser aus der Heiligen Nacht. Es war traumhaft schön. Beil ritt auf einem Schlitten durch Sachsen. Im Radio des Taxifahrers sang der Kreuzchor den letzten Teil des Weihnachtsoratoriums. Er verstand, dass die Menschen hier auf einer Insel lebten, einer Trauminsel. Er hätte ewig so weiterfahren können, freute sich aber auch schon auf das Hotelbett. Er war sich nicht sicher, ob Susanne darin liegen würde. Wenn ja, würde er ihr nicht die Nachricht der Frau ausrichten, die sie gern gewesen wäre. Die Botschaft der anderen Frau. Was sollte sie damit anfangen?

Beil lehnte sich zurück. In seinem Rücken löste sich etwas.

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